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3.
In nahezu allen Kommunen in Deutschland ist die strukturelle Verankerung der Frühen Hilfen ge-
lungen. Es besteht ein großer Bedarf an fachlicher Weiterentwicklung der Frühen Hilfen bei der syste-
matischen Zusammenarbeit mit dem Gesundheitswesen, bei Fragen der kommunalen Steuerung und
Planung sowie bei der Entwicklung von Angeboten für spezifische Zielgruppen.
Im Rahmen der Bundesinitiative ist es gelungen: a) strukturelle Voraussetzungen für eine flächende-
ckende Etablierung der Frühen Hilfen zu schaffen, b) vielfältige fachliche Entwicklungen anzustoßen
und c) bereits einige zentrale Qualitätsstandards zu etablieren.
Hervorzuheben ist, dass mittlerweile in
beinahe jedem Jugendamtsbezirk Koordinierende tätig sind, die Motor für die fachliche Weiterentwick-
lung sind. Befunde aus der zweiten Welle der Kommunalbefragung (Ende 2014) zu den wichtigsten fach-
lichen Entwicklungszielen im Bereich der Frühen Hilfen in den nächsten Jahren machen jedoch deutlich,
dass aus Sicht der Befragten zentrale Ziele bislang nicht in ausreichendem Maße erreicht werden konnten
und sich die Praxis neuen Herausforderungen stellen muss:
Die Kooperation mit den Institutionen und Diensten des Gesundheitswesens wird von einer deutlichen
Mehrheit der Befragten in den Kommunen nach wie vor als verbesserungswürdig eingeschätzt. Hier
müssen weiterhin zwischen den Leistungssystemen strukturell verankerte dauerhafte Brücken geschaf-
fen werden. In knapp drei von vier Jugendamtsbezirken besteht ein hoher Bedarf an fachlicher Orien-
tierung und Auftragsklärung an der Schnittstelle von Frühen Hilfen und Kinderschutz – ein Thema, das
gerade im Kontext der Umsetzung des Bundeskinderschutzgesetzes von großer Bedeutung ist.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Entwicklung bzw. die Adaption von Modellen kommunaler Pla-
nung und Steuerung der Aktivitäten in den Frühen Hilfen und im Bereich der frühen Kindheit insge-
samt; sei es, um Komplexität zu reduzieren (Stichwort: Vernetzung von Netzwerken), sei es aber auch,
um im öffentlichen Sektor bislang eher getrennte Planungsbereiche besser aufeinander abzustimmen,
insbesondere die Jugendhilfe-, Gesundheits- und Sozialplanung. Fast zwei Drittel der Befragten spre-
chen sich dafür aus, diese Bereiche zukünftig in ein kommunales Gesamtkonzept zu integrieren.
Im Bereich des ehrenamtlichen Engagements in den Frühen Hilfen sieht etwas mehr als die Hälfte der be-
fragten Kommunen noch Nachholbedarf, wenngleich eher selten mit hoher Priorität. Vergleichbares gilt für
die Gestaltung von Übergängen von Frühen Hilfen in die Kindertagesbetreuung – ein zentrales Regelange-
bot im Bereich Bildung und Betreuung, das auch für Kinder unter drei Jahren zunehmend an Bedeutung
gewinnt und ähnlich wie der Gesundheitssektor systematische Zugänge zu Eltern und Kindern eröffnet.
Hinsichtlich der Versorgung spezifischer Zielgruppen mit Angeboten der Frühen Hilfen sehen die Ver-
antwortlichen in den Kommunen den größten Handlungsbedarf bei Eltern mit einer psychischen Er-
krankung. Aber auch die Entwicklung kultursensibler Angebote für Familien mit Migrationshintergrund
spielt in mehr als einem Drittel der Kommunen eine große Rolle. Wenig fachliche Aufmerksamkeit wird
bislang dem Thema »Väter in den Frühen Hilfen« gewidmet, obwohl aus systemischer Betrachtungswei-
se Väter bei der Unterstützung von Familien genauso in den Blick genommen werden sollten wie Mütter.
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